Tschingis Aitmatow: Die Erde so zerbrechlich wie der Kopf eines Säuglings


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In Tschingis Aitmatows Roman „Der Tag zieht den Jahrhundertweg“ fühlen sich ein Russe und ein Amerikaner verbunden in Verantwortung für unseren Planeten. Sie stellen sich dem Kalten Krieg entgegen und müssen dafür büßen. „Planetarisches Bewusstsein“ – eine Illusion? „Alles ist im WORT“,  hat der kirgisische Schriftsteller immer wieder betont. Aufgewachsen zwischen Atheismus und Naturreligion, begab er sich auf eine spirituelle Suche, die ihn in seinem Roman „Die Richtstatt“  auch zur Bibel führte.

Der einzelne Mensch zwischen Himmel und Erde und die Menschheit in ihrer Ganzheit: Er wollte über ideologische Enge hinaus zur Erkenntnis universaler Verantwortung. Als Kind hatte er den Krieg noch erlebt, nachdem er 1937 schon seinen geliebten Vater verlor. Er wähnte ihn in einem Straflager. Erst 1957 erfuhr er, dass er im Januar 1938 hingerichtet worden war. Wie weiterleben in diesem Wissen? Die Menschheitsgeschichte als „Karussell blutiger Dramen“ – was ist dem einzelnen Mensch da aufgebürdet?

Irmtraud Gutschke hat Aitmatow jahrzehntelang persönlich gut gekannt. Vor aktuellem Hintergrund gewinnt sein Werk brennende Aktualität.